Steuerabsetzbetrag für Wiedergewinnungsarbeiten

verfasst auf Basis zweier Rundschreiben von Dr. Lukas Aichner,  Bruneck und der Rechtsabteilung des LVH

Gesetzliche Grundlagen: 30.08.2013 Art. 14 und 16 vom Gesetzesdekret Nr. 63 vom 4. Juni 2013, umgewandelt in Gesetz Nr. 90 vom 3. August 2013 Art. 11 vom Gesetzdekret Nr. 83 vom 22. Juni 2012 Art. 16-bis der VPR 917/1986 und Gesetz 449/1997

Mit der Anfang Juni 2013 erlassenen Gesetzesverordnung (GD 63/2013) wurde unter anderem die im letzten Jahr verfügte Erhöhung des Absetzbetrages für Wiedergewinnungsarbeiten bis Ende 2013 verlängert. Demnach wurden der IRPEF-Absetzbetrag für bestimmte bauliche Sanierungsmaßnahmen, welche im Zeitraum vom 26.06.2012 bis zum 31.12.2013 gezahlt (Kassaprinzip) werden, von 36% auf 50% und das vorgesehene Limit von Euro 48.000 auf Euro 96.000 erhöht. Die maximale Steuerersparnis beträgt heute 50 % von 96.000 = 48.000 Euro. Diese Bestimmungen wurden neuerlich auf das ganze Jahr 2014 verlängert.

Zusätzlich wurde ein neuer Absetzbetrag von 50% auf belegte Aufwendungen bis zu Euro 10.000 für den Ankauf von Möbeln, welche im Zuge von Wiedergewinnungsarbeiten angeschafft werden, eingeführt (Achtung: gilt nicht für Energiesparmaßnahmen).

Weiters wurde der Steuerabsetzbetrag für die Energiesparmaßnahmen bis zum 31.12.2014 verlängert. Für Aufwendungen, welche im Zeitraum vom 06.06.2013 bis zum 31.12.2014 getätigt werden, wird der Absetzbetrag von 55% auf 65% angehoben.

Der IRPEF/IRES-Abzug (gilt im Gegensatz zu den Wiedergewinnungsarbeiten auch für Unternehmen) für bauliche Energiesparmaßnahmen beläuft sich also auf 65% für Spesen vom 06.06.2013 bis zum 31.12.2014

Diese Erhöhung des Absetzbetrages von 55% auf 65% hat allerdings nur eine begrenzte Wirkung, weil die Förderung durch die Höhe des maximalen Steuerabsetzbetrages (je nach Maßnahme Euro 100.000, 60.000 oder 30.000) begrenzt ist. In der Praxis bringt die Erhöhung nur dann Vorteile, wenn die getätigten Ausgaben unter den vorgesehenen Schwellenwerten liegen.

Für welche Arbeiten gilt der IRPEF-Absetzbetrag von 50%?

Der Absetzbetrag von 50% gilt unverändert für alle Formen der Wiedergewinnung (außerordentliche Instandhaltung, Sanierung, bauliche Umgestaltung), sofern diese auf Wohngebäuden bzw. Wohnungen durchgeführt werden:

  • Austausch der Fenster und die Ersetzung durch solche anderer Art;
  • Einbau der Heizung oder eines Ofens;
  • Einbau eines Aufzuges oder von Feuerleitern;
  • Einbau und Ergänzung der sanitären Anlagen;
  • Austausch der Decken;
  • Erneuerung der Stiegen und Auffahrten;
  • Errichtung von Umzäunungen;
  • Ersetzung von Trennwänden;
  • Energiesparmaßnahmen.

Die ordentliche Instandhaltungsarbeiten sind grundsätzlich ausgenommen, außer es handelt sich um Gemeinschaftsanteile (Außenfassade, Dach, Stiegen, Hauseingang, Wäscheaufhänge, Heizraum und sonstige gemeinschaftliche Einrichtungen) von Miteigentumsgebäuden (Kondominien) oder aber falls diese im unmittelbaren Zusammenhang mit umfangreicheren Arbeiten durchgeführt werden (z.B. Malerarbeiten nach einem Umbau).

Weiters kann man für folgende Arbeiten in den Genuss des Steuerabsetzbetrages gelangen (immer unter der Voraussetzung, dass es sich um ein Wohngebäude bzw. Wohnungen handelt):

  • Bau oder Kauf von Garagen bzw. Autoabstellplätzen, sofern diese Zubehör einer Wohnung sind (die Eigenschaft als Zubehör muss aus dem Vertrag oder bei Bau aus der Baukonzession resultieren);
  • Maßnahmen zur Beseitigung baulicher Hindernisse durch Personen- und Lastenaufzüge sowie Maßnahmen zur Herstellung sämtlicher Hilfsmittel, die geeignet sind, die Mobilität schwerbehinderter Personen innerhalb und außerhalb der Wohnung im Sinne des Artikels 3 Absatz 3 des Gesetzes vom 5. Februar 1992, Nr. 104 zu fördern;
  • Sicherung der Gebäude vor illegalen Handlungen (Sicherheitstüren, bruchsichere Fenster, in der Wand verbauter Tresor, Videoüberwachung);
  • Verkabelung von Gebäuden und Verringerung von Lärmbelästigung;
  • Maßnahmen zur Entsorgung von Asbest und zur Vermeidung von Unfällen im Haushalt;
  • Aufwendungen für freiberufliche Leistungen im Zusammenhang mit der Planung und Durchführung der oben genannten Wiedergewinnungsarbeiten.

 

Wer kann den Steuerabsetzbetrag nutzen?

In den Genuss des Steuerabzuges gelangen alle Besitzer einer Liegenschaft besitzen und zwar als Eigentum oder aufgrund eines sonstigen rechtsgültigen Titels (Besitz, Mietverhältnis oder Leihvertrag, Fruchtgenuss, Wohn- oder Gebrauchsrecht, sonstiges Sachenrecht), auf welcher die Wiedergewinnungsarbeiten durchgeführt wurden und tatsächlich zu Lasten des entsprechenden Subjektes verblieben sind.

Der Absetzbetrag steht auch dem Familienmitglied zu, das mit dem Besitzer oder Eigentümer der Immobilie, in welcher die Wiedergewinnungsarbeiten vorgenommen werden, zusammenlebt.

Voraussetzung ist in diesem Fall, dass das Familienmitglied die Ausgaben trägt und die Rechnungen auf seinen Namen lauten sowie dass der Nachweis des Zusammenlebens bereits zu Beginn der Arbeiten besteht (als Nachweis kann z.B. ein Familienbogen dienen).

Bei einer gewerblichen Nutzung der Wohnung steht der Steuerabsetzbetrag nicht zu.

 

Über welchen Zeitraum muss der Absetzbetrag aufgeteilt werden?

Der Abzug wird in zehn gleich hohen Jahresbeträgen aufgeteilt, beginnend mit dem Jahr, in welchem die Ausgaben getätigt werden.

Welche Formpflichten sind zu beachten?

Um in den Genuss des Steuerabzuges zu gelangen, müssen folgende Bestimmungen eingehalten werden:

  • die Rechnungen müssen mittels Banküberweisung gezahlt werden (also keine Rechnungen in bar, mittels Scheck oder mittels normaler Homebanking-Überweisung zahlen!!). Auf den Überweisungsschein muss die Bank den Zahlungsgrund (Art. 16-bis VPR 917/1986 oder Ges. 449/1997), die Steuernummer des Auftraggebers und die Mehrwertsteuer- oder Steuernummer der ausführenden Firma angeben;
  • vor Beginn der Arbeiten muss eine Mitteilung per Einschreiben mit Rückantwort an die zuständige Sanitätseinheit, an das Amt für Arbeitssicherheit (Neubruchweg 2 39100 Bozen) und an das Arbeitsinspektorat der Provinz Bozen (Kanonikus-Michael-Gamper-Str. 1 – 39100 Bozen) gesendet werden, sofern sie durch die Bestimmungen zur Sicherheit am Arbeitsplatz4 vorgesehen ist und die Arbeiten in Südtirol durchgeführt werden (z. B. Baustellen, auf welchen mehrere ausführende Firmen tätig sind, auch wenn diese nicht gleichzeitig auf der Baustelle sind, Baustellen, wo auch nur ein Unternehmen tätigt ist, deren voraussichtlicher Umfang die 200 Mann-Tage überschreitet).
  • in der Steuererklärung müssen die Eckdaten der Liegenschaft, auf welcher die Wiedergewinnungsarbeiten durchgeführt wurden, angeführt werden.

Welche Unterlagen müssen aufbewahrt werden?

Der Steuerpflichtige, welcher Wiedergewinnungsarbeiten durchführt und den Steuerabzug von 50% beanspruchen will, hat im Einzelnen folgende Unterlagen für etwaige Kontrollen aufzubewahren:

  • die Baugenehmigung oder die insbesondere bei Innenarbeiten vorgesehene Baubeginnmeldung. Sollte aufgrund der Bauvorschiften keine Meldung notwendig sein, benötigt man eine Ersatzerklärung für den Notorietätsakt, mit dem der Baubeginn erklärt wird und dass für die begünstigten Arbeiten nach den geltenden Bestimmungen keine Baugenehmigung vorgeschrieben ist;
  • die Zahlungsbestätigungen für die Gemeindeimmobiliensteuer ICI, soweit diese geschuldet ist;
  • der Beschluss der Miteigentümerversammlung bei Kondominien, soweit die Arbeiten die Gemeinschaftsanteile betreffen und zudem die entsprechende Kostenverteilungstabelle (Tausendstel-Tabelle);
  • die Zustimmung des Eigentümers zur Durchführung der Arbeiten, falls diese vom Mieter oder Leihnehmer vorgenommen werden (für die mitwohnenden Familienangehörigen ist diese Erklärung nicht notwendig); 4 Art. 99 GvD 81/2008
  • die vorherige Mitteilung an die Sanitätseinheit und an das Arbeitsinspektorat über den Beginn der Arbeiten, wenn diese den Bestimmungen über Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit unterliegen;
  • die Rechnungen und die Steuerquittungen, mit welchen die getätigten Ausgaben belegt werden;
  • die Zahlungsbestätigungen, welche mittels Banküberweisung durchgeführt werden müssen.

 

Neuer IRPEF-Absetzbetrag von 50% für den Ankauf von Möbeln und Einrichtungsgegenständen – „Einrichtungsbonus“

Die Anfang Juni des heurigen Jahres erlassene Gesetzesverordnung hat unter anderem einen neuen Steuerbonus von 50% für Möbel und Einrichtungsgegenstände bis zu einem Betrag von Euro 10.000 eingeführt.

Im Zuge der Gesetzesumwandlung wurde der Bonus auch für Elektro-Haushaltsgeräte (z.B. Kühlschränke, Gefriergeräte, Waschmaschinen, Wäschetrockner, Geschirrspüler, Herde und Backöfen, elektrische Kochplatten, elektrische Heizplatten, Mikrowellengeräte, Elektroheizgeräte, Elektroventilatoren und Klimageräte  usw.) und Geräte, für welche eine Energieverbrauchskennzeichnung vorgesehen ist, ausgedehnt. Die Geräte müssen grundsätzlich eine Energieeffizienzklasse A+ oder höher besitzen (nur für Backöfen genügt die Klasse A). Nachdem das Gesetz (mittels welchem erst die Erweiterung vorgesehen wurde) erst am 3. August 2013 in Kraft getreten ist, muss noch geklärt werden, ob die Erweiterung erst ab diesem Zeitpunkt oder bereits rückwirkend gilt.

Der Steuerbonus gilt nur dann, sofern die Möbel und Geräte für die Einrichtung der Wohnung bestimmt sind, auf welchen die Wiedergewinnungsarbeiten mit dem Steuerabsetzbetrag von 50% durchgeführt worden sind. Es muss sich dabei um Wiedergewinnungsarbeiten oder Maßnahmen handeln, die nach dem 6. Juni 2013 durchgeführt wurden, wobei diesbezüglich die Zahlung ausschlaggebend ist. Laut derzeitigem Stand wären bereits geringfügige Maßnahmen ausreichend (z.B. Austausch einer Sicherheitstür oder Sicherheitsschloss), um auch den „Einrichtungsbonus“ nutzen zu können – diesbezüglich sind jedoch noch genauere amtliche Klarstellungen ausständig.

Die Möbel bzw. Elektrogeräte müssen nicht für den selben Raum bestimmt sein, in dem die Renovierungsarbeiten durchgeführt werden, aber die selbe Immobilie betreffen, z.B. können im Zuge der Badezimmerrenovierung begünstigte Möbel für das Wohnzimmer angekauft werden.

Da eine offizielle Stellungnahme diesbezüglich noch ausständig ist, empfehlen wir im Zweifelsfall die Zahlungen immer in der gesetzlich vorgesehen Art und Weise vorzunehmen – es kann dann bei der Erstellung der Steuererklärung und anhand der dann vorliegenden Informationen immer noch festgestellt werden, ob der Steuerabsetzbetrag in Anspruch genommen werden kann oder nicht.

Im Gegensatz zu den Zahlungen der Wiedergewinnungsarbeiten, die ausschließlich per Banküberweisung erfolgen müssen, kann der in diesem Zusammenhang getätigte, begünstigte Ankauf von Möbel und Elektrogeräten auch durch Zahlung per Bankomat- oder Kreditkarte erfolgen. Eine Zahlung mittels Bargeld oder Scheck ist hingegen nicht möglich.

Im Rundschreiben werden als begünstigte Möbel und Einrichtungsgegenstände unter anderem: Tische und Stühle, Sofas und Sessel, Schreibtische, Bücherregale, Kästen, Betten, Matratzen, Kredenzen, Nachtkästen, Truhen sowie Lampenschirme und andere Beleuchtungsgegenstände genannt.

Begünstigt sind neben dem Ankauf der Gegenstände auch die diesbezüglichen Nebenspesen, wie der Transport und die Montage.

Nicht begünstigt hingegen sind:

Türen, Vorhänge und Teppiche sowie Fernseher, Computer und ähnliche Unterhaltungs-Elektrogeräte. Zur Erinnerung: Die Steuerbegünstigung gilt noch bis zum 31. Dezember 2014 bis zu einem Maximalbetrag von Euro 10.000 mit einer Steuerersparnis von Euro 5.000.